Wahlformular Stuttgarter Friedenspreis 2018

Um überprüfen zu können, ob Sie Anstifter*in und stimmberechtigt sind, benötigen wir

Sie haben im ersten Wahlgang, der bis zum 29. Mai 2018 23:59 Uhr läuft, drei Stimmen, die Sie beliebig zuordnen können. Wenn Sie alle drei Stimmen einem Kandidaten geben möchten, dann wählen Sie diesen Kandidaten bitte in allen drei Feldern aus. Wenn Sie nur zwei Stimmen vergeben möchten, lassen Sie bitte ein Feld, wie es ist, usw. Wenn Sie Fragen haben, versuchen Sie uns telefonisch zu erreichen unter 0711 24869621 oder senden eine Mail an kontakt@die-anstifter.de

Vielen Dank!

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..und hier kommen die Kandidat*innen:


(in alphabetischer Reihenfolge)

01. Aeham Ahmad. Hinhören, hinsehen, aktiv werden. Musikalisches Engagement für Geflüchtete

Aeham Ahmad wuchs als palästinensischer Flüchtling im syrischen Flüchtlingslager Jarmuk in Damaskus auf. Der Musiker spielte auf einem Klavier, das er während des Syrischen Bürgerkriegs unter Lebensgefahr für seine Auftritte auf einem Wasserwagen durch die zerbombten Straßen fuhr. Um vor allem Kindern und Jugendlichen Hoffnung zu geben, vertonte er Texte seiner Freunde mit einfachen Akkorden und schwungvollen Refrains. Aber auch mit Beethoven, Bach, Chopin, Mozart, auch Jazz und eigenen Liedern schenkte er den Menschen in seiner Heimat Freude. Heute spielt er für Akteure der Zivilgesellschaft, für Geflüchtete und Fluchthelfer. Aeham Ahmad floh aus Syrien, vertraute sich zunächst Schleppern an und nahm dann den Balkan-Fußweg mit dem Ziel Deutschland auf sich. Sein Schicksal steht exemplarisch für Tausende, die aus einem geschundenen Land in Deutschland angekommen sind und nun versuchen, sich hier eine neue Existenz aufzubauen. Mit seiner Musik bildet er eine Brücke und ermutigt: Hört nicht weg, schaut hin, tut etwas.

mehr bei youtube.com

02. Amos. Zeitschrift und Netzwerk engagierter Menschen

AMOS ist eine Vierteljahreszeitschrift, die seit Herbst 1968 erscheint. In der exemplarischen Kritik der herrschenden Zustände im Ruhrgebiet ist AMOS nicht nur eine Zeitschrift, sondern auch ein Netzwerk engagierter Menschen. AMOS ist eine der wenigen Publikationen, in denen die herrschaftskritische, linke Tradition der weltweiten Rebellionen von „1968“, der “Theologie der Befreiung“, dem weltweiten ökumenischen „Kampf gegen Rassismus“ und dem Kampf „für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ nach wie vor präsent ist. Markant ist von Anfang an die enge Verbindung von redaktioneller Arbeit und gesellschaftskritischer Praxis. AMOS ergreift Partei, ist aber parteipolitisch nicht festgelegt. Im Herausgabe- und Redaktionskreis arbeiten u. a. Persönlichkeiten aus der evangelischen Kirche mit, die sich in der ökumenischen und interreligiösen Praxis und Theorie engagieren. Amos ist trotz des biblischen Namens kein religiöses Projekt und wird vom Layout bis zum Vertrieb ehrenamtlich am Leben erhalten.

Website Amos

03. Angela Davis. Bürgerrechtlerin aus den USA

Angela Davis trat als Studentin in Kalifornien dem Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC) bei und war kurzzeitig Mitglied der Black Panther Party (BPP). 1969 wurde sie von der Uni ausgeschlossen und konnte eine Dozentenstelle an der Universität von Los Angeles nicht antreten. Massenproteste sowie eine erfolgreiche Klage erzwangen ihre Wiedereinstellung. Politisch setzte Angela Davis sich immer für die Bürgerrechte ein und kämpfte gegen Rassismus, politische Justiz und die Todesstrafe. Ab 1992 lehrte Angela Davis als Professorin für History of Consciousness (Geschichte des politischen Bewusstseins) an der University of California in Santa Cruz. Sie ist Ehrendoktorin der Universitäten Moskau und Leipzig. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks trat Angela Davis 1991 aus der KP aus. Angela Davis ist eine der Mitgründer*innen der National Alliance Against Racist and Political Repression und aktiv im National Black Women’s Health Project, im National Political Congress of Black Women und Sprecherin der US-amerikanischen Kampagne gegen die Todesstrafe.

Wikipedia Angela Davis

04. Asamblea Mediterranea. Sephardische Melodien für ein interreligiöses Miteinander

Die Stuttgarter Musikgruppe Asamblea Mediterranea lässt seit mehr als 17 Jahren in den uralten Melodien der Sepharden einen Widerhall gegenseitiger Befruchtung und friedlicher Koexistenz von Juden, Muslimen und Christen im mittelalterlichen Spanien erkennen. In diesen Melodien spanischer Juden vermischen sich seit fast 1000 Jahren Musikkulturen aus Europa, Nordafrika und dem vorderen Orient. Die Musikgruppe besteht aus zwei Sängerinnen, begleitet von einem Instrumental-Ensemble (Violine, Klarinette, Flöte, Gitarre, Bass und Percussion). Der Gitarrist Alon Wallach arrangiert ihre Musik aus Melodien und Texten spanisch sprechender Juden in Nordafrika, in der Türkei und in Griechenland, die über Generationen überliefert sind. Asamblea Mediterranea konzertiert regelmäßig in Israel, Ungarn, Tschechien und Frankreich. Die Musikgruppe bemüht sich intensiv um den kulturellen Austausch mit jüdischen Gemeinden und türkischen Vereinen in Deutschland. Sie tritt auch mit renommierten Gastmusikern aus der Türkei auf.

Website Asamblea Mediterranea

05. Bahtiyar Dusak. Elf Minuten ohne Trump

Als gläu­bi­ger Mus­lim be­suchte Bahtiyar Dusak in Ka­li­for­ni­en re­gel­mä­ßig ei­ne gro­ße Mo­schee, ar­bei­tete dort eh­ren­amt­lich wäh­rend eines Stu­di­en­jahres, das er in den USA verbrachte. Während dieser Zeit arbeitete er auch bei Twitter, wo er an seinem letzten Arbeitstag den Account des amerikanischen Präsidenten abschaltete. Für elf Minuten, dann war die Sache aufgeflogen. In den Medien hieß es, dass der türkischstämmige Paderborner stolz darauf sei, dass ‚ein Deutscher Trump gesperrt habe‘. Tatsächlich sei es aber aus Versehen geschehen. „Nach den Re­geln des Netz­werks müss­te Donald Trump tat­säch­lich dau­er­haft ge­sperrt wer­den. Er be­lei­digt dort stän­dig po­li­ti­sche Geg­ner, hetzt ge­gen Min­der­hei­ten, ver­brei­tet Falsch­mel­dun­gen,“ schreibt die TAZ. Aber „Tweets mit be­son­de­rem Nach­rich­ten­wert sind von den Lö­sch­re­geln aus­ge­nom­men, mit de­nen Twit­ter dem Hass im Netz bei­kom­men will.“

Wikipedia Bahtiyar Dusak

06. Christoph Nix, Intendant. „Haltung geht vor Karriere“

Christoph Nix, Jahrgang 1954 ist Jurist und Theaterintendant. Seit der Spielzeit 2006/2007 ist er als Intendant am Stadttheater Konstanz tätig. Christoph Nix begreift die politische Einmischung als Grundaufgabe des Künstlers. Sein Theaterkonzept beschreibt er so: “Sie können linkes Theater machen, solange Sie alle in der Stadt in Ruhe lassen. Das ist dann okay. Aber wenn Sie die Frage stellen, wem welche Immobilien gehören, dann haben Sie ein Problem. Die Wahrheit ist konkret, die großen Dinge wollte ich immer herunterbrechen.” Unter anderem brachte er ein Stück über das Verbrechen des türkischen Staates an den Armeniern auf die Bühne und nannte es beim Namen: Völkermord. Seitdem steht er unter massivem Druck der Türkei. Seine stadtpolitischen Aktionen führten dazu, dass sein Vertrag über 2020 hinaus nicht verlängert wurde, worauf er die Durchführung der Baden-Württembergischen Theatertage absagte. “Im Zweifel geht Haltung vor Karriere”, so sein Credo.

Kontextwochenzeitung Christoph Nix

07. Elsi Adajew. Für ein friedliches und solidarisches Europa

In den Ohren wütete es seltsam vor Stille. Keine Bomben flogen, keine Soldaten um 4 Uhr morgens. Niemand schrie, niemand schoss. Ich erinnere mich an den Gesang der Vögel. Es war der erste Tag in Polen, einer der schönsten in meinem Leben“, sagt der Tscheschene Elsi Adajew als er die polnische Staatsbürgerschaft erhält. Heute gehört er zu den Unterstützern der großen Unabhängigkeitsmärsche in Polen, die sich für ein friedliches und solidarisches Europa einsetzen und die autokratische Politik der polnischen Regierung kritisieren. Elsi Adajew setzt sich bei der Umsetzung des Bildungsprojekts der Polnischen Humanitären Aktion – „Humanitäre Schule“ konkret für Migrantenkinder in Słubice (Oder) ein. Es ist ihm wichtig, die Bewegung „Warschau gegen Rassismus und Gewalt – Solidarität mit Flüchtlingen“ und die Friedensinitiative „Brot und Salz“ zu unterstützen, um sich in Polen gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus zu engagieren. Adajew: „Wir sind eine europäische Familie und dafür streiten wir!“

Googlesuche Elsi Adajew

08. Emma González. Schülerin gegen US-Waffenlobby

Emma González überlebt den Amoklauf an der Parklandschule in Florida. Vier Tage später demonstriert die 18-Jährige gemeinsam mit vielen anderen Mitschüler*innen in Fort Lauderdale. In ihrer Rede klagt sie die politisch Verantwortlichen an, die nichts unternehmen, um den Handel mit und den Zugang zu Schusswaffen stärker zu reglementieren. Beifall erhält sie dafür, dass sie daran erinnert, dass die National Rifle Association (NRA) mehr als 30 Millionen Dollar für die Wahl Trumps zum Präsidenten gespendet hat. „Shame on you“ – Schande über euch, ruft sie an die Adresse von Trump und allen anderen Politikern, die regelmäßig Geld von der Schusswaffenlobby bekommen. Sie will, dass das ganze Land die Videos von den Schüssen, den Schreien und dem Sterben im Klassenzimmer sieht: „Falls ihr das braucht, um zu verstehen, was wir durchgemacht haben.“ Zusammen mit den anderen neuen Aktivist*innen ihrer Schule ist sie in der gerade gegründeten Kampagne #Never­Again aktiv.

Wikipedia Emma González

09. Esther Bejarano. Musik gegen Nazis

Esther Bejarano engagiert sich als Musikerin und Sängerin gegen den wachsenden Nazismus. Sie stammt aus einer saarländischen jüdischen Familie. 1943 wurde sie nach Auschwitz verschleppt, wo sie gezwungen wurde, im Mädchenorchester der Tötungsanstalt als Akkordeonistin mitzuspielen. Nach ihrer Befreiung wanderte sie zuerst nach Palästina aus und kehrte 1960 mit ihrer Familie nach Hamburg zurück. Nachdem Neonazis in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnung einen Infostand aufbauten, begann sie sich öffentlich gegen die neuen Rechten zu stellen. Mit anderen Antifaschist*innen gründet sie das Auschwitz-Kommitee in der BRD, wird Mitglied in der VVN und kämpft gegen das Vergessen und für eine Welt ohne Nazis. Sie tritt in verschiedenen Musikformationen mit internationalem Repertoire an Widerstands- und Friedensliedern auf. Ihr Mut und ihre Lebensfreude stecken an. In Schulen berichtet Esther Bejarano über ihre Erlebnisse und die Methoden der Nazis. Mit 94 Jahren singt sie heute immer noch auf Internationalen Festivals . „Ich singe so lange, bis es keine Nazis mehr gibt”, sagt sie über sich.

Wikipedia Esther Bejarano

10. Frauennetzwerk für Frieden. Für eine gleichberechtigte Teilhabe der Frauen auf allen Ebenen der Friedensarbeit

Das Frauennetzwerk für Frieden e.V. wurde 1996 in Bonn gegründet und ist ein bundesweites Netzwerk von Frauen und Frauenorganisationen, die sich lokal, national und international für Frieden, Abrüstung und Geschlechtergerechtigkeit einsetzen. Es steht für die nationale und internationale enge Kooperation von Frauen und Frauenorganisationen, die in der Friedensarbeit tätig oder an ihr interessiert sind. Es fordert die gleichberechtigte Teilhabe der Frauen auf allen Ebenen der Friedensaktivitäten und Friedenspolitik durch Umsetzung der Aktionsplattform von Peking (1995) und der Resolution 1325 des UN-Sicherheitsrates (2000), unterstützt und initiiert Friedensprozesse im privaten und im öffentlichen Bereich, im Alltag wie in internationalen Beziehungen. Ziel ist die Entwicklung einer Friedenskultur durch Völkerverständigung, Versöhnung, gewaltfreies Handeln, zivilen Friedensdienst und Pädagogik. Das Netzwerk will Frauen und Männern für die Geschlechterperspektive sensibilisieren.

Website Frauennetzwerk für Frieden

11. GAAA. Gewaltfreie Aktion Atomwaffen abschaffen

Seit 1996 organisiert die “Gewaltfreie Aktion Atomwaffen abschaffen” Aktionen des zivilen Ungehorsams gegen die Atomwaffen im Fliegerhorst Büchel. Dazu gehören zivile Inspektionen (Go-ins), Blockaden, Demonstrationen und Kampagnen. Auch in diesem Jahr wird wieder eine Aktionspräsenz in Büchel durchgeführt: 20 Wochen lang sollen Gruppen aktiv werden, um gegen die völkerrechtswidrige Stationierung von Atomwaffen mit Mahnwachen, Kleinkunst, Gottesdiensten, Sitzblockaden oder Go-Ins zu protestieren.
Die GAAA ist ein Zusammenschluss von Menschen, die in Deutschland und der ganzen Welt, mit den Mitteln der Gewaltlosigkeit und des zivilen Ungehorsams, das Verbot und die Ächtung von Atomwaffen erkämpfen wollen.
“Wir halten gewaltfreien Widerstand für legitim und geboten, da die Stationierung von Atomwaffen nach unserer Auffassung völkerrechtswidrig ist und ein Verbrechen gegen die Menschheit darstellt.”

Website GAAA

12. Gerhart Traber. Armut macht krank, Krankheit macht arm

Am Zusammenhang von Krankheit und Armut orientiert Prof. Gerhard Trabert sein soziales Engagement. „Ein demokratisch-humanistischer Staat muss sich daran messen lassen, wie er mit seinen Schwachen umgeht“, sagt er. In Mainz startete er eine medizinische Versorgung von Obdachlosen, aus dem das „Mainzer Modell“ entstand. Das Arzt-Mobil ist europaweit auf Achse. 1997 gründete Trabert den Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“ und ist auch weltweit unterwegs. So behandelt er Gefängnisinsassen in Äthiopien und syrische Flüchtlinge im Libanon, derzeit versucht er im Norden Syriens die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. Nicht zuletzt nimmt er auch öffentlich Stellung zu den Problemen, gleich ob in Mainz, Bozen oder Syrien. So kritisiert er, dass in Deutschland zwölf Millionen Menschen in Armut leben. Armut bedeute nicht „nur“ geringere gesellschaftliche Teilhabe, Armut bedeute in einem der reichsten Länder der Erde auch, früher sterben zu müssen.

Website Armut macht krank

13. Girls for Girls. Frauensolidarität mit Geflüchteten

Viele der in Deutschland lebenden geflüchteten Mädchen und Frauen haben Gewalt erlebt und traumatische Erfahrungen gemacht. Deutschland ist für sie ein fremdes Land. Selten verlassen sie ihre Unterkunft und außerhalb ihres direkten Umfeldes haben sie wenig Kontakt zu anderen Menschen. Eine persönliche Tandem-Partnerin hilft den geflüchteten Frauen und Mädchen dabei, alltägliche Hürden zu überwinden und mit Bürokratie zurecht zu kommen. Einmal in der Woche treffen sich die Tandem-Partnerinnen zu gemeinsamen Aktivitäten: deutsch lernen, die Stadt erkunden, den Markt besuchen sowie Begleitung zu Terminen bei Behörden, Ärzten oder zur Schulanmeldung. Oder sie treffen sich, um einfach nur miteinander zu reden und zusammen zu sein. Neben zahlreichen Veranstaltungen und schulischen und außerschulischen Angeboten für die geflüchteten Frauen und ihre Kinder fördert Girls for Girls den Aufbau von Vertrauensverhältnissen und Freundschaften, die die Grundlage für gesellschaftliche Integration sind.

Website Girls for Girls

14. Harry Belafonte. Sänger, Aktivist, Bürgerrechtler

Harry Belafonte unterstützte in den 1950er Jahren eine Stiftung, die Afrikanern durch Stipendienvergabe ein Studium in den USA ermöglichte. Ein Stipendiat war der Kenianer Barack Obama senior, dessen Sohn Präsident der USA wurde. Mit dem Einsatz für die schwarze Bürgerrechtsbewegung und seinem humanitären Engagement u.a. als Aktivist der Friedens- und Anti-Atomkraft-Bewegung machte sich Belafonte durch Auftritte in der ganzen Welt einen Namen. Seit 1987 ist Harry Belafonte, der am 1. März 2018 91 Jahre geworden ist, Botschafter des Guten Willens der UNICEF. In den USA fordert er weiterhin die Mächtigen heraus. So kritisierte er George Bush als „Terroristen“ und forderte von Barack Obama (junior), den Belafonte ebenfalls persönlich kennt, größere Anstrengung im Kampf gegen Armut, Polizeigewalt und Masseninhaftierung von Schwarzen. Für die Ära Trump hat er angekündigt, „alles in meiner Macht Stehende zu tun, um das Regieren für diesen Mann unmöglich zu machen.“

Wikipedia Harry Belafonte

15. Henrik Paulitz. Friedens- und Konfliktforscher

Henrik Paulitz bietet mit seinen Büchern „Anleitung gegen den Krieg“ und „Kriegsmacht Deutschland?“ der Friedensbewegung völlig neue Denk- und Handlungsansätze an. Mit der Entwicklung einer „deskriptiven, ökonomisch orientierten Friedens- und Konfliktforschung“ dechiffrierte er die universellen Zwecke von Kriegen: „Ressourcenkontrolle“ zugunsten der Profite der Ölmultis, Abbau industrieller Überkapazitäten, Geschäfte mit dem Wiederaufbau, das gezielte Töten und Vertreiben von Zivilisten, sowie die gezielte Zerstörung ziviler Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen.
Anstelle des ewigen Streits um „gute und böse Staaten“ schlägt Paulitz vor, den erpresserischen Druck transnationaler Konzerne an den Pranger zu stellen, der seiner Meinung nach dazu führe, dass Staaten als „Getriebene“ in globaler Arbeitsteilung als Ordnungsmächte fungieren.
Die Ideen von Henrik Paulitz sind wichtige Impulse für die aktuellen Debatten um Krieg und Frieden.

Website Akademie Bergstraße

16. I Colori Per la Pace. Malen für den Frieden

Der Verein „ I Colori Per la Pace“, die Farben für den Frieden, stellt Bilder aus, die weltweit von Kindern im Alter zwischen 4 und 10 Jahren gemalt wurden. Kinder sind die Hauptleidtragenden der vielen Konflikte auf der Welt – so war es 1944 in Sant’ Anna, so ist es auch heute noch. Durch die Ausstellungen, die von I Colori Per la Pace organisiert werden, bekommen diese Kinder eine Stimme, die jeden erreicht. Bis heute haben sich dem Projekt mehr als 150 Schulen aus über 80 Nationen aller 5 Kontinente angeschlossen. Die Zeichnungen werden im Nationalpark Sant’Anna di Stazzema und in Wanderausstellungen in Italien und im Ausland ausgestellt. Im August waren die Bilder in Rio de Janeiro bei den Olympischen Spielen zu sehen. Im November war I Colori Per la Pace eingeladen, in Dubai auszustellen, im Dezember in Rumänien und der Ukraine. Inzwischen genießt der Verein internationales Ansehen und hat viele Unterstützer aus Kultur, Gesellschaft, Sport und Politik.

facebook (italienisch) I colori Per la Pace

17. IPPNV. Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges

In der IPPNW engagieren sich Ärzt*innen, Psychotherapeut*innen sowie Medizinstudierende für eine menschenwürdige Welt frei von atomarer Bedrohung: für die Ächtung jeglichen Krieges, für gewaltfreie, zivile Formen der Konfliktbearbeitung, für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen und die gerechte Verteilung der Ressourcen sowie für ein soziales und humanes Gesundheitswesen. Die Bedrohung durch Atomwaffen ist nach Ende des Kalten Krieges nicht geringer geworden. Für die Abschaffung und internationale Ächtung aller Atomwaffen! Militärische und zivile Nutzung der Atomenergie sind eng miteinander verbunden. Die IPPNW fordert den Ausstieg aus der Atomenergie. Die neoliberale Globalisierung vertieft die Spaltung der Welt in Reich und Arm, zwischen Nord und Süd. Die IPPNW analysiert und benennt die Ursachen von Konflikten und Kriegen. Frieden ist eine wesentliche Voraussetzung für den wirksamen Schutz der Menschenrechte.

Website IPPNV

18. Jan Ilhan Kizilhan. Trauma-Arbeit mit Kriegsopfern als Friedensengagement

1966 in der Türkei geboren, emigrierte Kizilhan mit seiner Familie 1973 nach Deutschland. Er ist seit 2010 Leiter des Studiengangs Psychische Gesundheit und Sucht an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und leitet das Sonderprojekt für besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aus dem Irak. Kizilhan arbeitet seit 20 Jahren mit kriegstraumatisierten Menschen im In- und Ausland und bildet Fachkräfte in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten aus. Das Institut für Psychotherapie und Psychotraumatologie an der Universität Duhok im Nordirak wurde im März 2017 gegründet, um den Irak beim Aufbau der psychosozialen Versorgung zu unterstützen. Die Arbeit mit schwer traumatisierten Menschen im Irak und Deutschland ist zugleich Friedensarbeit, Dialog, Versöhnung, Gleichberechtigung aller Menschen und Toleranz ist eine wichtige Grundlage. Mit dem Preisgeld soll die Arbeit mit traumatisierten Menschen aufgrund von Kriegsfolgen und Terror wie z.B. Geiselhaft, Folter, Vergewaltigung im Irak unterstützt werden.

Stuttgarter Zeitung zu Jan Ilhan Kizilhan

19. Journalisten helfen Journalisten. Finanzielle, medizinische und logistische Unterstützung von Kolleg*innen

Journalisten helfen Journalisten e.V. (JhJ) wurde 1993 gegründet , als der Krieg in Ex-Jugoslawien auch unter Journalist*innen die ersten Opfer gefordert hatte. Eines dieser Opfer war Egon Scotland, Reporter der Süddeutschen Zeitung. In Erinnerung an ihn, an die Fotografin Anja Niedringhaus (ermordet 2014 in Afghanistan ) und viele weitere getötete und verfolgte Kolleg*innen versucht JhJ weltweit zu helfen. Der Schwerpunkt der Arbeit von Journalisten helfen Journalisten lag in den Anfangsjahren auf dem Balkan. Inzwischen hilft JhJ Kolleg*innen auch in vielen anderen Regionen. So unterstützte der Verein in den letzten Jahren u.a. Journalist*innen aus Tunesien, Afghanistan, Ägypten, Mexiko, Somalia, Kenia, Uganda, Kasachstan, Irak, Belarus, Pakistan, Iran und Syrien mit Hilfen zum Lebensunterhalt, bei medizinischer Behandlung oder der Wiederbeschaffung zerstörter Arbeitsmittel. JhJ e.V. hat seinen Sitz in München.

Website Journalisten helfen Journalisten

20. Lebenshaus Schwäbische Alb. Gemeinschaft für Frieden und Ökologie

Das Lebenshaus Schwäbische Alb feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Es versteht sich als “Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie” und setzt diese Ideale im täglichen Leben und Wirken um. In Gammertingen haben schon viele von Haus und Heimat Vertriebene Zuflucht, menschliche Wärme und Lebensmut gefunden. Initiator Michael Schmid und Katrin Warnatzsch tragen hauptamtlich die vielfältige Last, wobei ihnen Gandhis und Martin Luther Kings Leben und Werte als Vorbilder dienen. „Diese historischen Beispiele bestärken uns in dem Anliegen, dass nur der Einsatz gewaltfreier Mittel die Gesellschaft gestalten soll.“ Der Sensbachtaler Friedensaktivist Klaus Vack schreibt über das Haus: “Trotz gegenläufiger und zerstörerischer gesellschaftlicher Entwicklungen wird im Lebenshaus praktisch gegen den herrschenden Strom geschwommen. Im Sinne von Ernst Blochs ‘Prinzip Hoffnung’. Human gesehen brauchen wir solche Anfänge, Nischen der Menschlichkeit, überall – auch auf der Schwäbischen Alb.”

Website Lebenshaus Schwäbische Alb

21. Literally Peace. Ein transkultureller Dialog

Literally Peace ist eine Gruppe syrischer und deutscher Autor*innen. Ihre Texte handeln nicht nur von Krieg und Frieden, sie thematisieren darüber hinaus auch Themen wie Freundschaft, Liebe, Hoffnung, Migration, Diskriminierung. Besonders bereichernd sind dabei die unterschiedlichen kulturellen und sozialen Hintergründe der in Literally Peace aktiven Personen. Bei der Auseinandersetzung mit den Texten entdecken die Mitglieder dieser Gruppe Unterschiede und Gemeinsamkeiten ihres jeweiligen Lebens und schaffen gleichzeitig einen Rahmen für eine Grenzen und Kulturen überschreitende Zusammenarbeit. Für die jungen Syrer*innen ist die Gruppe eine Möglichkeit, sich als selbstbewusste Individuen zu erleben und darzustellen und ihre Rolle als vermeintlich wehrlose Kriegsopfer zu überwinden. Seit Gründung der Gruppe im Frühjahr 2017 werden die Texte der jungen Autor*innen regelmäßig auf einem dreisprachigen Blog veröffentlicht und bei öffentlichen Lesungen, begleitet von Musik, vorgetragen.

Website Literally Peace

22. Mafia? Nein, Danke! Unterstützung und Vernetzung von Anti-Mafia-Aktivitäten

Wenige Tage nach den brutalen Mafiamorden in Duisburg gründeten italienische Mitbürger im August 2007 in Berlin diese Initiative. “Mafia? Nein Danke!” will in Deutschland über die Gefahr der Mafia aufklären und hilft beispielsweise bei der Recherche für Fernsehsendungen (ARD die Story „Müll, Mafia und das große Schweigen“) und Zeitungsartikeln (Kontext). Eine wichtige Aufgabe sieht “Mafia?Nein Danke!” auch darin, unterschiedliche Anti-Mafia-Gruppen zu vernetzen, zu fördern und zu stärken. Außerdem setzt sich der Verein für eine europaweite Harmonisierung der Gesetze und für einen verbesserten Kampf gegen die organisierte Kriminalität ein. Im Dezember 2017 forderten Mitglieder der neapolitanischen Camorra von Berliner Restaurantbesitzern „Schutzgeld“. Mit Unterstützung von „Mafia? Nein Danke!“ gingen über 40 Gastronomen zur Polizei und erstatteten Anzeige. Die Polizei konnte die Erpresser daraufhin festnehmen und dankte der italienischen Gemeinde in Berlin für ihr Engagement gegen die Mafia. Alle Mitarbeitenden im Verein sowie der Vorstand sind ehrenamtlich tätig.

Website Mafia?Nein Danke!

23. Nymia Pimentel-Simbulan. Für Menschenrechte auf den Philippinen

Nymia Pimentel-Simbulan ist Geschäftsführerin von PhilRights, einer Menschenrechtsorganisation der Philippinischen Allianz der Menschenrechtsanwälte (PAHRA). PhilRights beteiligt sich aktiv an der Ausbildung, Forschung, Information, Überwachung und Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen, insbesondere von wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechten. PhilRights hat eine wichtige Rolle bei der Abschaffung der Todesstrafe im Land im Jahr 2006 gespielt. Sie hat auch eine führende Rolle bei der Vorlage alternativer Berichte über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte bei den Vereinten Nationen gespielt.  Das Institut hat mehrere Handbücher, Bücher und Leitfäden zum Thema Menschenrechte herausgegeben, die von NGOs und Volksorganisationen in großem Umfang genutzt werden. Nymia Pimentel-Simbulan ist auch für die Menschenrechtsorganisation „Medical Action Group“ aktiv und fordert, dass medizinische Versorgung für alle Menschen verfügbar sein muss.

Website zu Nymia Pimentel-Simbular

24. Parastou Forouhar. Kunst gegen das Vergessen

Parastou Forouhar wurde 1962 als Tochter der beiden demokratischen Politiker Parwaneh und Dariush Forouhar in Teheran geboren. Dariush Forouhar war Ende der 1970er-Jahre Arbeitsminister und später ein führender iranischer Oppositioneller. 1990/91 ging Parastou Forouhar zum Kunststudium an die Hochschule für Gestaltung nach Offenbach und lebt seitdem in Deutschland. Am 21. November 1998 wurden ihre Eltern in Teheran vom iranischen Geheimdienst ermordet und die Kunst Parastous setzt sich fortan vor allem mit gesellschaftspolitischen Themen auseinander. Um an das Verbrechen an ihren Eltern und deren demokratische Mitstreiter*innen zu erinnern, das Andenken an sie wachzuhalten und gegen die aktuellen Menschenrechtsverletzungen im Iran zu protestieren, reist Parastou Forouhar alljährlich am Todestag ihrer Eltern nach Teheran, um am Ort des Verbrechens eine das Regime immer wieder verunsichernde, öffentliche Gedenkstunde abzuhalten.

Website Parastou Forouhar

25. Rahmenlos und frei. Der Chor der Vesperkirche

Wir schlagen für den Stuttgarter Friedenspreis 2018 den Chor „Rahmenlos und frei“ mit seinem Chorleiter Patrick Bopp vor. Viele Mitglieder dieses Chores sind Gäste der Stuttgarter Vesperkirche, haben in ihrem Leben schon einiges durchgemacht und schwere Schicksalsschläge erlitten: Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Alkohol- oder Drogenprobleme. “Ich habe großen Respekt davor“, sagt Patrick Bopp, “dass diese Leute sich nicht verstecken”. „In den Liedern erzählen die Menschen immer auch von sich“, sagt der Chorleiter, ”und deshalb sind die von den Chormitgliedern selbst entwickelten Versionen bekannter Stücke immer auch etwas Besonderes.“Dass die Sänger*innen trotz ihrer oft nicht einfachen Lebensumstände sich nicht verhärten lassen und Freude ausstrahlen, ist Hoffnung und Ansporn zugleich. „Rahmenlos und frei“, der Chor der sich aus Helfern und Gästen der Stuttgarter Vesperkirche heraus vor knapp acht Jahren gegründet hat, kommt bisher immer nur in der Vesperkirchenzeit und kurz davor zusammen – also von Mitte Dezember bis ungefähr Anfang März.

Stuttgarter Nachrichten zu Rahmenlos und frei

26. Rainer Rothfuß. Geopolitik von unten

Dr. Rainer Rothfuß beschäftigt sich mit Feindbildgenese und der Entstehung und gewaltlosen Lösung von Konflikten. Weil er den Frieden in Europa gefährdet sieht und den politischen Eliten mangelnde Friedenswilligkeit unterstellt, entwickelte er den Ansatz einer „Geopolitik von unten“. Zu seinen Aktivitäten gehören u.a. die 2016 und 2017 von ihm organisierten Friedensfahrten nach Russland, in deren Mittelpunkt die Begegnung mit der russischen Bevölkerung, Einblicke in Kultur und Geschichte Russlands und der Aufbau von Freundschaften unabhängig von politischen Überzeugungen standen. Rothfuß organisiert den Dialog von Menschen aus unterschiedlichen Systemen und setzt auf drei Ebenen inspirierende Impulse: in seiner wissenschaftlichen Forschung, in der direkten Aktion und in einer friedensschaffenden Praxis. Er wirkt direkt an der humanen Basis einer friedlichen Welt, indem er bei den Menschen selbst und ihrer Fähigkeit ansetzt, Freundschaft über strukturelle und kulturelle Grenzen hinweg aufzubauen.

Website von Rainer Rothfuß

27. Ruben Neugebauer, Seawatch. Seenotrettung

Ruben Neugebauer, 28 Jahre, fliegt mit einer einmotorigen „Moonbird“ über das Mittelmeer, um in Seenot geratende Flüchtlingsboote ausfindig zu machen. Er riskiert bei dieser Tätigkeit, die er ehrenamtlich ausführt, oft selbst sein Leben. Ruben Neugebauer ist Mitbegründer von Seawatch und Sprecher, Koordinator und Krisenmanager dieser NGO, die mit zwei Schiffen der einmotorigen „Moonbird“ mit haupt- und ehrenamtlich Tätigen versucht, Flüchtende zu retten. Mit Seawatch verbringt Neugebauer soviel Zeit wie andere für einen Vollzeitjob. Er arbeitet als Film -und Fotojournalist und recherchiert Kampagnen für NGOs. Die Arbeit ist mit Risiken für Leib und Seele verbunden, sie ist anstrengend, zermürbend, aber auch dankbar, denn Ruben Neugebauer und die fest angestellten und freiwilligen Helfer*innen von Seawatch, unter ihnen viele Ärzt*innen und Sanitäter*innen, waren in den vergangenen Jahren an der Rettung von mehr als 50.000 Menschen beteiligt.

Website Sea-Watch

28. Ruth Weiss. Anti-Apartheid-Aktivistin und Jahrhundertzeugin

Die Journalistin und Schriftstellerin Ruth Weiss wird 1924 als Ruth Loewenthal in Fürth geboren. 1936 muss sie mit ihrer Familie aus Nazi-Deutschland fliehen. Sie findet in Südafrika eine neue Heimat. Als Jugendliche wird sie dort mit den Anfängen des Apartheidsystems konfrontiert. Zwar ist sie als Weiße privilegiert, doch schlägt sie sich auf die Seite der Anti-Apartheidbewegung und arbeitet später als Journalistin unter anderem für die Deutsche Welle, den Guardian und die Financial Times. Sie hatte engen Kontakt zu Nelson Mandela und zu vielen anderen Führern der afrikanischen Freiheitsbewegungen. Sie galt lange als eine der wichtigsten afrikanischen Stimmen gegen Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus. Ende der 60er Jahre wurde sie aus Rhodesien ausgewiesen, da sie allzu offen berichtete, wie es der Regierung gelang, die UN-Sanktionen zu umgehen. Als Antiapartheid-Aktivistin und Jahrhundertzeugin besucht Ruth Weiss heute noch Schulen, weist auf Parallelen zwischen Nazis und Buren hin und setzt sich gegen rassistische Diskriminierung ein.

Wikipedia Ruth Weiss

29. Sarah Idan und Adar Gandelsman. Schönheitsköniginnen gegen Anti-Semitismus

Die eine ist Miss Universe Irak, die andere Miss Universe Israel – ihr Foto wurde zu einem Politikum. „Lass uns ein Foto machen, damit unsere Völker sehen können, dass wir kein Problem miteinander haben und dass wir Botschafterinnen des Friedens sind“. Eine gute Nachricht im Jahr des Antisemitismus. Dass auch in der arabischen Welt die Ansicht verbreitet ist, die Juden seien öffentliche Feinde, konnte man an den Beleidigungen und Todesdrohungen ablesen, die Sarah Idan wegen des von ihr geposteten Foto erhielt. Doch sie bekam auch über 10.000 Likes. Das Foto der beiden Frauen verweist auf eine Geschichte, der in der ideologisch eingetrübten Betrachtung des Nahostkonflikts nur selten Rechnung getragen wird: Das ist die Geschichte der Vertreibung der arabischen Juden aus ihren Heimatländern. Miss Irak hat ein Gespür dafür entwickelt, dass es an der Zeit ist, die antisemitischen Stereotype hinter sich zu lassen. Ihre Familie hat das Land wegen der Todesdrohungen inzwischen verlassen – aber ihre Haltung ist klar: „Negative Reaktionen werden uns nicht umstimmen. Wir bleiben Schwestern.”

Stern zu Sarah Idan und Adar Gandelsman

30. Saúl Luciano Lliuya. Ein Kleinbauer gegen ein Großunternehmen

Saúl Luciano Lliuya ist Bauer und Bergführer in Peru. Mit Unterstützung der NGO Germanwatch hat er jetzt gegen den Energiekonzern RWE geklagt. Er fürchtet um seine von einer möglichen Flutwelle bedrohte Heimatstadt Huaraz. Der Konzern, so die Argumentation, sei maßgeblich mitverantwortlich für das Abschmelzen der Andengletscher und die dadurch entstehende Bedrohungslage für sein im Gebirgstal gelegenes Haus. RWE solle sich an der Finanzierung von Schutzmaßnahmen an dem durch die Gletscherschmelze wachsenden Gebirgssee oberhalb der Stadt beteiligen – und zwar in einer Größenordnung, die dem Anteil des Energiekonzerns an der Verursachung des globalen Klimawandels entspricht. Die Folgen des Klimawandels sind weltweit Grund für Flucht und Konflikte. Eine erste erfolgreich genommene Hürde des Präzedenzfalls ist die Zulassung der Klage vor Gericht. Bereits jetzt hat Saúl Luciano Lliuyas Engagement eine Signalwirkung entwicklet, um Konzerne stärker in die Verantwortung für ihre klimaschädlichen Machenschaften zu nehmen.

Germanwatch zu Saúl Luciano Lliuya

31. Solmaz Vakilpour. Nackt gegen Krieg

Mit ihrer Aktionskunst „Warless Day“ setzt sich Solmaz Vakilpour auf aktuelle und künstlerische Weise in der Öffentlichkeit mit dem Thema Krieg und Frieden auseinander. Ihre Aktionen möchten die Menschen ermutigen, sich mit dem nackten Körper gegen Krieg und Gewalt einzusetzen. Mit Nacktheit möchte Solmaz Vakilpour die nötige Aufmerksamkeit schaffen und die Schönheit und Verletzlichkeit der Menschen, jeden Geschlechts und Alters, mit den Folgen der Kriege konfrontieren. So werden die eigenen Grenzen, etwas zu tun, künstlerisch und immer öffentlich thematisiert und zwingen zur Auseinandersetzung mit dem Thema. Die Kölnerin Solmaz Vakilpour (37) wurde im Iran geboren und lebt seit Mitte der 80er Jahre in Deutschland. Seit 2014 werden ihre Kunstaktionen und Auftritte von vielen Mitstreiter*innen unterstützt. 2015 hat die Tanztheatergruppe Bodytalk die Geschichte von Solmaz Vakilpour und Warless Day in einem eindrucksvollen Tanztheaterstück „Flashmob mit Toten“ inszeniert.

Website Solmaz Vakilpour

32. Sy­bil­le Schne­ha­ge. Schulen, Brunnen, Brücken für Afghanistan

Sy­bil­le Schne­ha­ge lei­tet die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Kat­a­chel, die seit 1994 in der Pro­vinz Kun­dus ak­tiv ist. Kat­a­chel hat dort schon 32 Schu­len ge­baut und über Tau­send Brun­nen und Brü­cken. Der­zeit wer­den jähr­lich rund 140 Mäd­chen zu Nä­he­rin­nen aus­ge­bil­det. 2003 er­hielt Schne­ha­ge das Bun­des­ver­dienst­kreuz, 2006 die Eh­ren­dok­tor­wür­de der Uni­ver­si­tät Ka­bul. 2013 schrieb Er­folgs­au­to­rin He­ra Lind ei­nen Ro­man über Schne­ha­ges Er­leb­nis­se („Dra­chen­kin­der“). Doch die Hel­fe­rin war 2015 zum letz­ten Mal bei „ih­ren Leu­ten“ in Af­gha­nis­tan. Denn im Sep­tem­ber 2016 wur­de auf Be­trei­ben des Aus­wär­ti­gen Am­tes und des Bun­des­kri­mi­nal­am­tes ih­re Rei­se­frei­heit be­schränkt. In Schne­ha­ges Rei­se­pass steht jetzt, dass sie we­der di­rekt noch in­di­rekt nach Af­gha­nis­tan rei­sen darf. Schne­ha­ge kann es im­mer noch nicht fas­sen. „Ich muss doch vor Ort nach dem Rech­ten se­hen, die Kon­tak­te pfle­gen und Ab­rech­nun­gen ma­chen.“ (taz 29.03.2018)

Wikipedia Sybille Schnehage

33. Zirkus Mutter Erde. Plattform für Vernetzung und Nachhaltigkeit

Der Zirkus Mutter Erde e.V. (ZME) ist ein offener Freundeskreis. Er ist der Überzeugung, dass durch eine Revolution der Gedanken und durch eine veränderte innere Haltung eine kontinuierliche Veränderung hin zu einer gerechteren Welt möglich ist. Lösungsorientierte Alternativen und positive Verstärkung werden der Mahnung mit dem Zeigefinger vorgezogen. Das Aufzeigen neuer Wege und Ideen, aber auch von Missständen und die Befähigung zur selbstkritischen Reflexion sind Teil des Schaffens. Zirkus Mutter Erde bietet eine Plattform zur Vernetzung und Verbindung von Akteuren aus dem Bereich der Nachhaltigkeit und zur Umsetzung von Aktivitäten. Das “Zirkus Mutter Erde Festival” ist die Verschmelzung von Plattform und eigenen Aktionen. Dabei wird ein Wochenende lang ein Fleckchen Stuttgart in eine Manege verwandelt, wo Vereine, Initiativen und Organisationen sich vorstellen, austauschen, informieren und Handlungsansätze anbieten können.

Website Zirkus Mutter Erde

Vorschläge (Autor*innen)

Andreas Wenzel
AnStifter-Frauen
Arno Gutmann
Barbara Stichling
Bernd-Wilfried Kießler
Brigitte Busch
Berthold Keunecke
Elisabeth Abendroth
Elisabeth Rathgeb
Gerd Rathgeb
HansChris Dreßen
Herand Müller-Scholtes
Hermann Schulz
Hermann Zoller
Ingrid von Staden
Jan Ilhan Kizilhan
Jörg Schmidt
Maren Westermann
Maria Tramountani
Marilen Rauch
María-Eugenia Lüttmann
Siggi Adam
Peter Främke
Reinhold Busch
Renate Of
Rosemarie Kirschmann
Rüdiger Schmidt
Sibylle Steinmaier
Swen Holst
Ursel Zoller
Uta Probst
Werner Brenneisen
Werner Schretzmeier
u.a.